Die Idee

Die Idee, diese Sache mit dem firtz mal anzugehen, ist eine recht alte.

Beim Aufbau der Hörsuppe, meinem schnuckligen Blog zum Thema „deutsche Podcastszene“ kam ich irgendwann an den Punkt, an dem ich es für eine gute Idee hielt, alle Podcasts und deren Episoden, über die ich schreibe, irgendwie in der gleichen Datenbank zu haben, aus der mein WordPress frisst.

Gesagt, versucht, getan: nach ein paar Tagen stand ein halbwegs stabiler „Podcatcher“ (nichts anderes ist dieses Script ja auch), der den ganzen Metakram aus den Feeds der Podcasts ins WordPress schaufelte.

Das alles lief natürlich nicht eben schmerzfrei ab. Feeds bestehen aus XML und XML besteht aus Schmerz. Ergo sind Feeds schmerzhaft und was mir das Script an Fehlermeldungen auswarf, hat das meiste aus meiner nunmehr fast dreißigjährigen Karriere im Softwarebau in den Schatten gestellt.

Dabei rede ich nicht einmal von uneinheitlich genutzten Entitäten. Ob nun summary, content, description… alles bunt gewürfelt. Schlimmer waren eigentlich noch die Daten, die gar nicht ankamen: Dauer der Folge, Größe der Datei, Link zur Blogeintrag der Episode. Ja, es gibt Podcasts, die bis heute nur ein mp3 verlinken!

Interessant fand ich, dass der Müll zwar in fast allen Fällen aus WP herausfällt, aber sehr unterschiedlich müllig war. Man möchte ja meinen, dass WP und seine Podcastplugins das zumindest konsistent falsch machen. Dennoch kann man bis heute mit jedem Plugin eine Vielzahl an unterschiedlichem Müll produzieren. Man ahnt es nicht!

Im kompletten Kontrast dazu fiel mir auf, dass die mülligen Feeds oftmals aus sehr liebevoll gepflegten Blogs kommen. Da wird einerseits viel Zeit und Kreativität in die Außenwirkung einer Webseite gesteckt, der Feed, der aber letztlich zum Podcasthörer findet ist dann Schrott. Außen hui, innen pfui!

Generell kam ich zu dem Schluss, dass zu viel Wert auf Web, zu wenig auf den Feed gelegt wird, dabei ist der Feed – strenggenommen – alles, was ein Podcast benötigt. Sicher, die Webseite ist schön und wichtig. Aber mal Hand auf’s Herz: Wenn man mal den Sprung geschafft hat, einen Feed zu abonnieren: wie oft schaut Ihr dann noch auf der Webseite vorbei? Merkt Ihr selbst, nich?

Hoffnung kam auf, als Tim Pritlove die Podlove Initiative ins Leben rief. Ein WP-Plugin, durchdacht, von der community gemacht, offen für Vorschläge und Beteiligung und das Ergebnis dieses Ökosystemes aus Ideen, Standards, Entwicklung und Erfahrung.

Ein unbeschriebenes Blatt Papier in den Händen eines Menschen, von dem ich mir schöne Feeds erhoffte. Und ich wurde nicht enttäuscht. Was aus dem Podlove Publisher herausfällt ist weitestgehend sauber (immer nur soweit der PP das auch zu beurteilen vermag: shit in, shit out) und die Standardisierungsbemühungen rund um die Feedinhalte machen Hoffnung auf die Klarstellung vieler Unzulänglichkeiten. Endlich mal hatte jemand das Heft in die Hand genommen.

Über unzählige verfluchte Abende (inklusive Ausdehnung des Podcatchers auf ATOM) und diskutierte Twitterthreads kam ich dennoch zu dem Punkt, an dem ich fest überzeugt war, dass es für eine kleine, aber durchaus relevante Menge an Podcasts eigentlich reiche, wenn man – zum Veröffentlichen eines Podcasts – nur die Daten einwirft, die der Feed braucht. Webseite ist sekundärer Content und kann aus den Daten des Feeds generiert werden.

Irgendwann im Winter 2012 hatte ich mir dann endlich den viel zitierten Tritt in den Hintern gegeben und die Nummer angegangen. Heraus kam dabei der sehr rudimentäre firtz 0.1, der aber genau das tat: aus ein paar Konfigurationsdateien im Filesystem die Feeds bauen und nebenher eine Webseite ausspucken. Ein Feedgenerator eben.

Über die Monate hinweg wurde aus der 0.1 eine inzwischen mit 1.2 getaggte Version. Es gab viele Unterhaltungen, Diskussionen, Featurewünsche, Bugreports und aus all diesem Austausch ist inzwischen ein echtes kleines Monster geworden.

Während anfangs der Fokus mehr auf „schnell und leicht“ stand, ist er nun etwas mehr in Richtung „mach es Dir so kompliziert wie Du willst“ geworden. Die Grundinstallation ist nach wie vor sehr simpel und im Zusammenspiel mit auphonic kommt man sehr schnell zu einem Ergebnis, wenn man das Richtige[tm] tut.

Das Grundprinzip ist geblieben: Dateien, die irgendwie im Zugriff des firtzes liegen, bestimmen das Aussehen des Feeds, der Episoden und der Webseite. Dabei lege ich viel Wert darauf, dass eben jene Feeds möglichst sauber sind und bediene mich dabei auch ganz schamlos bei den Ideen, die aus Podlove herausfallen, um neben der Einfachheit auch Komfort bieten zu können. Wenn Ihr mal alle Blogfunktionen, die Ihr von WP kennt wegsubtrahiert und das reine Podcastpublishing übrig lasst, dann habt Ihr eine Idee, was der firtz ist.

Für die nächste Zeit möchte ich den Fokus weniger auf Features, denn auf Nutzbarkeit legen, denn hier ist so einiges im Argen. Ein Installer, tut Not, vielleicht mit Preview-Funktion. Durchschaubarkeit und Vorhersagbarkeit sind diese zwei Worte, die mir da spontan in den Kopf kommen.

Dennoch möchte ich den firtz als Spielwiese für neue Ideen nicht ganz vernachlässigen. Durch die noch relativ schlanke Codebasis und den Wegfall diversen Ballastes, den z.B. ein WordPress mitbringt, kann ich relativ flott ungewöhnliche Späße ausprobieren. Da wäre aktuell zu allererst die Idee zu nennen, app.net als Kommentarplattform einzusetzen. Im Moment kann man „nur“ einen Thread je Episode einblenden, den man noch mit der Hand anlegen muss oder mit Stefans fism erzeugt.

Solche und noch möglichst viele andere ungewöhnliche Ideen möchte ich ausprobieren. Wer weiß, vielleicht kann ich ja irgendwann mal eine Idee zurück zu Podlove tragen, dann hab ich nicht immer nur geschnorrt.

Ein mahnendes Wort zum Ende: Der firtz ist zwar in der Nutzung, wenn einmal installiert und konfiguriert, ein Werkzeug um wirklich mit dreieinhalb Handgriffen einen Podcast zu bespielen. Die Installation jedoch ist je nach Komplexität des Ökosystemes nicht eben mit jenen dreieinhalb Handgriffen erledigt.

Es gehört derzeit leider noch ein wenig Erfahrung dazu, mit dem firtz umzugehen. Wer mit dem Unterschied zwischen einem Dateisystempfad und einer URL Schwierigkeiten hat, der sollte vielleicht lieber den Podlove Publisher bemühen. Das gilt natürlich auch für alle, die die Funktionen eines Blogs benötigen und fancy shmancy Widgets und Co haben möchten! Das geht im firtz zwar generell auch, aber: hier heißt es selbst machen!

Wer hingegen ein wenig neugierig und vor allem experimentierfreudig ist, wer keine Bauchschmerzen damit hat, mal einen Bugreport an mich zu schicken mitsamt Config und URL, der sollte herzhaft zugreifen. Ich bemühe mich, Fragen möglichst flott zu beantworten und habe auch sonst gerne eine helfende Hand, wenn Probleme auftauchen.

Traut Euch!